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Sehen
Blindenhunde - der Name sagt natürlich
schon aus, für wen die Hunde bestimmt sind: Für sehbehinderte
Menschen.
Was ein Blindenhund kann...
- Er verweigert Befehle bei drohender Gefahr
- Er führt auf Befehl in jede mögliche
Richtung
- Er führt durch den Verkehr und überquert
die Strassen auf dem sichersten und kürzesten Weg
- Er steigt in ein Verkehrsmittel (Bus, Bahn, U-Bahn
usw.) ein und sucht einen freien Sitzplatz, den er dann mit der Schnauze
anzeigt
- Er sucht den nächstgelegenen Zebrastreifen
und benutzt ihn
- Er zeigt alle Gehsteigkanten an
- Er sucht und zeigt alle Treppen an
- Er sucht eine freie Stizgelegenheit im Café
oder Restaurant
- Er sucht und zeigt eine Tür an
- Er umgeht Hindernisse und Vertiefungen
(Baustellen, Gräben, Äste, Stangen, Rohre, Kabel, usw.)
- Er sucht einen besetzten Schalter in Post oder
Bank
- Er sucht eine Telefonzelle, einen Briefkasten, den
Lift oder die Kasse
- Er führt seinen Besitzer immer wieder zum
Ausgangspunkt zurück (Auto, Haus, etc.) daher kein Verlaufen mehr!
- Er führt selbständig an bekannte Orte,
z.B.: Arbeitsplatz, Arzt, Apotheke, Friseur, Kosmetikerin, Bäcker, Post,
Bank, verschiedene Häuser von Verwandten und Freunden, und vieles mehr.
...und was er nicht kann
Trotz der Vorteile, die ein Blindenhund bietet, darf man
keine Wunder erwarten; auch ein sehr gut ausgebildeter Hund kann mal einen
Fehler machen. Hundertprozentig kann man sich nicht auf ihn verlassen. Gerade
in kritischen Situationen, wie zum Beispiel beim Überqueren einer Kreuzung
mit Ampelschaltung, sollten sich blinde Menschen nicht nur auf ihren Hund,
sondern auch auf ihr Gehör verlassen. Noch sicherer sind natürlich
Ampelanlagen mit Blindensystemen, die aber leider nicht überall
installiert sind.
Für jeden Topf den richtigen
Deckel
Nicht jeder Hund passt zu jedem Menschen und
umgekehrt. Es wird darum vorher mit Hilfe eines ausführlichen Fragebogens
geprüft, was der spätere Besitzer von seinem Hund erwartet, um
eventuelle Enttäuschungen zu vermeiden. So wird man einem älteren
Menschen mit einem "Wildfang" keine Freude machen. Ist die Temperamentfrage
geklärt, geht es darum, den Charakter abzuchecken. Die richtige Wahl
trifft letztendlich der Trainer, der übrigens oft ebenfalls blind oder
zumindest stark sehbehindert ist. Dieser bleibt auch nach der Ausbildung mit
dem neuen Hundebesitzer in Kontakt, um das Gelernte aufzufrischen oder
Korrekturen vorzunehmen. Damit die Teamarbeit später reibungslos
funktioniert, sollte der Hund nur eine feste Bezugsperson haben. Streicheln von
Fremden ist erlaubt, Gassi gehen, Futter geben und Befehle erteilen sollte
hingegen nur der Besitzer.
Die Ausbildung des Hundes
Richtige Ernährung, artgerechte Haltung und Behandlung
des Junghundes führen zum gesunden körperlichen Wachstum. Je
vielgestaltiger und ereignisreicher der Junghund die menschliche Umwelt erlebt,
desto belastbarer und lernfähiger ist er als erwachsener Hund. Damit diese
Aussicht besteht, werden die Welpen im Alter von 8-10 Wochen von ausgebildeten
JunghundTrainer/innen übernommen und während ca. eines Jahres betreut
und gefördert. Ein Junghund-Trainer/Trainerin betreut jeweils nur einen
Hund. Er/Sie hält diesen bei sich in der Wohnung und integriert ihn in den
Familienbereich, was an sich schon einer unerlässlichen Grundausbildung
gleichkommt. In speziellen Übungen in verschiedener Umgebung (wie
Stadtverkehr, Restaurants, Geschäfte, Bahnhof und andere Gebäude,
Lift, Zug, Tram, Bus und Privatauto) gilt es, den Hund mit seiner späteren
Aufgabe vertraut zu machen. Alle Junghunde werden kastriert, Weibchen in der
Regel nach der ersten Läufigkeit, Rüden zwischen dem siebten und
zehnten Monat. Bei der Kastration findet der zweite dokumentierte und nach
bestimmten Richtlinien durchgeführte tierärztliche Untersuch statt.
Nach dem zwölften Monat kontrolliert man die Augen, Hüften und
Ellbogen geröntgt. Erst wenn all diese Tests und Prüfungen
erfolgreich bestanden sind, kann der Hund in die Ausbildung genommen werden.
Blindenhunde dürfen sich nicht ablenken lassen, auch nicht von anderen
Hunden. Nicht der Ausbildner, sondern die Umwelt soll den Hund ausbilden. Die
Aufgabe des Ausbildners ist es, den Hund mit den verschiedenen Umweltmustern
bekannt zu machen. Der Hund soll von sich aus lernen, sich den jeweiligen
Situationen anzupassen und richtig zu reagieren. Der Ausbildner vermittelt dem
Hund über das Führgeschirr den Eindruck, dass er wegen des
"Eingespanntseins" nicht überall durchkommt (Höhen- und
Seitenhindernisse) und er sich der Umwelt gegenüber anders verhalten muss,
als wenn er angeleint oder gar frei wäre.
Anforderungen an einen Blindenführhunde-Anwärter
Auch ein gut ausgebildeter Führhund ist und bleibt ein
ganz normaler Hund. Er braucht Pflege, Bewegung auch ausserhalb der
Führarbeit und bei jedem Wetter, ausserdem muss er ernährt werden.
Doch vor allem braucht er sehr viel Zuwendung. Bestimmte und konsequente
Haltung Eine bestimmte und konsequente Haltung ist Voraussetzung. Wird ihm
diese nicht geboten, hätte das zur Folge, dass er bald nur noch nach
seinem Willen und Gutdünken handeln würde. Man stelle sich vor, was
für Auswirkungen dies auf die blinde Person haben kann!:
- Sich dauernd verlaufen
- Ein Führhund, der sich von allem ablenken
lässt
- Ein erhöhtes Gefahrenrisiko beim Auftauchen
einer Katze oder eines anderen Tieres usw...
Was braucht es zu einer
bestimmten und konsequenten Haltung?
Was wir vom Hund
verlangen, muss auch durchführbar sein und entsprechend auch
durchgeführt werden. Ein Beispiel: Der Hund versteht nicht,
dass er heute auf dem Sofa liegen darf und morgen nicht - schon kommt es zu
einem Machtkampf zwischen Halter und Hund. Bereits ist es so weit, dass er
bestraft wird für etwas, das ihm gestern noch erlaubt wurde. Also:
Jede Handlung, jedes Unternehmen mit dem Hund zusammen muss überlegt und
durchdacht sein, um sicher zu sein, ob es überhaupt durchführbar ist.
Deshalb:
- Gesunder Kontakt zwischen Halter und Hund
- Die Fehler des anderen anerkennen
- Die Lebensanforderungen und Lebensbedinungen des
anderen erfüllen
- Die Grenzen der Überforderung respektieren
Das Team "Halter und
Hund"
Der Hund gilt als sehr guter Beobachter. So lernt er
schnell die Bewegungen und die Gestik "seines" Menschen kennen und auswerten.
Ein leicht gestresster Halter = Ein ungeduldiger Hund Ein
überforderter Halter = Ein unkonzentrierter Hund Ein
streitsüchtiger Halter = Ein aggressiver Hund Ein schlampiger
Halter = Ein unerzogener Hund usw... Der Hund bemerkt schon beim
ersten Kontakt, wie es um unseren seelischen Zustand steht. Da es im Team nicht
nur um Führarbeit geht, sondern auch um eine Partnerschaft, muss sich
jeder Halter im klaren sein, dass er seinen Hund beobachten und studieren muss.
Zum Beispiel Lautäusserungen wie Bellen, Knurren, Heulen, Grunzen, usw.,
sind Ausdrucksformen der Gefühle, hervorgerufen durch Töne,
Gerüche, Bilder und körperliche Empfindungen. Ausserdem:
Ein Hund ist keine Führmaschine, die man abstellt bei Nichtgebrauch
und bei Gebrauch wieder anstellt. Er ist ein LEBEWESEN das bei jeder Witterung
Bewegung braucht, bei jeder Erkrankung gepflegt werden muss, auch einmal
Durchfall hat, Haare verliert, wie die Menschen gute und schlechte
Eigenschaften hat - und einmal stirbt... All diese Dinge muss der
zukünftige Halter sich überlegen und Antworten finden, ehe er sich
für einen Hund entschliesst.
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